Ein Reisebericht von Stefanie Heider

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben!

 

Dieser Satz wird von mir genauso unterschrieben. Ich habe mich auf Tierschutzreise nach Montenegro begeben und Dinge gesehen und erlebt, die ich mir nicht hätte vorstellen können. Es war so viel, dass ich gar nicht weiß, wo ich beginnen soll….

Die Fahrt von knapp 2.000 km startete in Ulm, wo ich (zusammen mit der Vorsitzenden des Vereins „Heart for Montis“, die den ganzen Transport organisiert hat und einer aktiven Tierschützerin aus meiner Gegend) einen geliehenen Sprinter mit Sachspenden vollpackte. Irgendwo fand sich auch noch Platz für unser Reisegepäck, denn es war ja eine Woche „Aktiv- Urlaub“ geplant.

Und dann ging es los. Kilometer um Kilometer und Grenze um Grenze kamen wir unserem Ziel näher. Der Weg führte uns an der schönsten Küstenstraße der Welt entlang und wir konnten die Sonne über dem Meer aufgehen sehen. Ein beeindruckender Anblick.

Irgendwann war es da, das Dorf Ulcinj, am Meer gelegen mitten in Montenegro. Und was ebenfalls zeitgleich da war, waren Straßenhunde. Manche gut genährt, andere ganz offensichtlich krank. Die Müllcontainer waren bevölkert mit verwilderten Hauskatzen, die sich hier eine „leckere“ Mahlzeit zusammensuchten.

Unser Lager schlugen wir bei einer tierlieben Frau auf, die uns ihre Gästezimmer zur Verfügung stellte. Dort angekommen, wurden wir von zwanzig Hunden freudig begrüßt und auch die ein oder andere Katze, von den vorhandenen sechzig, schaute auf eine kleine Streicheleinheit vorbei. Nach einem wohlverdienten Kaffee luden wir unsere Sachspenden aus. Und ab hier verliert sich mein Gefühl für Raum und Zeit. Die folgenden Tage waren vollgepackt mit Kontrollbesuchen bei Menschen, die Tiere für den Verein „Heart for Montis“ pflegen, Besuche im Veterinum, dass sich fast wie unser zweites Zuhause anfühlte, so oft waren wir dort. Katzenfangaktionen, um verwilderte Straßenkatzen zu kastrieren und das Streicheln und Gassi führen von Hunden, wo sonst einfach die Zeit fehlt. Und organisieren, organisieren und organisieren, denn in diesem Land ist einfach alles anders.

Beeindruckend war alles; allerdings haben ein paar Vierbeiner eine Spur in meinem Herzen hinterlassen und die möchte ich euch gerne vorstellen.

Dickens vorher
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Dickens nachher

Dickens ist ein serbischer Laufhund, aber das konnte man erst später erkennen. Als er von einer sehr aktiven Tierschützerin in Ulcinj auf der Straße gefunden wurde, bestand dieser Hund nur aus Haut und Knochen. Fell war nur noch an einzelnen Stellen vorhanden. Nach dem Besuch im Veterinum war klar, dass Dickens einen Herzwurm, Leishmaniose und Demodex hat. Mit ganz viel Liebe und regelmäßiger Medikamentengabe ist Dickens inzwischen ein stattlicher, älterer Herr, der ein liebevolles Zuhause mit einem bequemen Sofa sucht. Auf diesem Platz habe ich ihn das erste Mal gesehen und es wäre wirklich schön, wenn er für seinen Lebensabend ein schönes Zuhause finden würde.

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Radzda

Radza –  dieser weiße Kater befand sich während unserer Zeit in Montenegro im Veterinum. Ich kenne ihn also nur vom „Hörensagen“. Er hatte tiefe Wunden an den Ohren, als er gefunden wurde, und es stellte sich heraus, dass es sich um Hautkrebs handelt. Nun befindet er sich in der Obhut von unserer Herbergsmutter und wird gepflegt und gepäppelt. Ausserdem wird er für die Ausreise nach Deutschland vorbereitet, denn die montenegrinische Sonne ist nichts für einen hautkrebskranken Kater. Übrigens ist es gar nicht so einfach ein Tier für die Ausreise vorzubereiten. Montenegro ist Tollwutrisikogebiet, daher gelten strenge Richtlinien, wenn man diese Tiere in die EU einführen möchte. Als erstes werden die Tiere gegen Tollwut geimpft, anschließend muss 30 Tage gewartet werden. Dann erfolgt der sogenannte Titertest. Dafür wird dem Vierbeiner Blut abgenommen und es wird kontrolliert, ob die Tollwutimpfung angeschlagen hat. Wenn diese Hürde genommen ist, folgen nochmal 90 Tage Quarantäne und erst danach hält man alle nötigen Papiere in der Hand, um einem Tier ein anderes Leben zu ermöglichen.

Lala

Lala wurde uns von einer netten Restaurantbesitzerin quasi ins Auto getragen. Die Hündin war zitternd in das Restaurant gelaufen, um dort Hilfe zu suchen. Somit stand mal wieder eine Fahrt ins Veterinum an. Zuerst dachten wir, dass Lala die Mutter von unseren gefundenen Welpen ist. Dem war aber leider nicht so. Damit blieb Lala im Veterinum, um mit Antibiotika wieder auf die Beine zu kommen, damit sie anschließend kastriert werden kann. Und wieder kam es anders als geplant. Kaum waren wir in Deutschland angekommen, erhielten wir die Nachricht, dass Lala hoch trächtig ist und eine Kastration somit unmöglich. Nun fängt alles wieder von vorne an. Wo ist ein guter Platz, an dem Lala ihre Welpen zur Welt bringen kann? Wer finanziert die ganzen Kosten der Pensionsunterkunft, der tierärztlichen Versorgung, der Vorbereitungen für die Ausreise? Wo können die Tiere ihre Quarantänezeit verbringen? Immer, wenn man einem Tier geholfen hatte, kamen zehn neue Sorgenfelle hinzu.

Mit einer Woche Abstand betrachtet bin ich nach wie vor der Meinung, dass das erste und oberste Ziel sein sollte, die Straßenhunde und -katzen zu kastrieren und ihnen ein freies Leben vor Ort zu ermöglichen. Leider ist das nicht immer machbar, da die Tiere durchaus vergiftet, getreten und erschossen werden. Und für die Tiere mit Handycap ist es das beste, wenn sie ein schönes Wohnzimmerplätzchen irgendwo in der EU finden.

Wer gerne mehr über die Arbeit des Vereins „Heart for Montis“ erfahren möchte oder einem der vielen Tiere ein neues Zuhause geben möchte, der findet hier https://www.heart-for-montis.ch/ nähere Informationen.

Wer das Kastrationsprogramm finanziell unterstützen möchte, der kann gerne auf das Pfötchenclubkonto eine Spende überweisen und die Aktion „100 Kastrationen für Montenegro“ weiter voran bringen. Bitte mit dem Vermerk „Katzenkastrationen Montenegro“.

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